Die Archetypen der Gegenwart

Die Zeremonienmeisterin / Der Zeremonienmeister

Zeremonienmeisterin Zeremonienmeister ArchetypAn irgend einem Punkt in deinem Leben hast du gemerkt, dass den Menschen etwas fehlt. Sie wirken oft so verwirrt und unklar und besonders alle Arten von Veränderungen scheinen ihnen zu schaffen zu machen.

Dann kam eines Tages ein Wendepunkt in dir. Du bist auf die Kraft der Zeremonien gestoßen. Vielleicht hast du einen Bericht über archaische Initiationen gelesen. Oder du hast einer besonders schönen Hochzeit beigewohnt. Vielleicht warst du auch einfach in der Kirche und hattest die ganze Zeit dieses nagende Gefühl von „Das müsste doch ganz anders gemacht werden!“

Zeremonienmeister sind Menschen, die von Natur aus ein gewisses Charisma in sich tragen. Sie werden eigentlich immer ganz gern gemocht, kommen gut an und haben in sich die Fähigkeit angelegt, recht gut Worte für alles zu finden.

Aber so richtig blühen sie auf, wenn sie eine Veranstaltung leiten können. Sie haben ein natürliches Gefühl für Gruppen, Stimmungen und Raumenergien. Sie habe einen Blick für kraftvolle Momente. Sie haben einen natürlichen Drang danach, in einer führenden Rolle zu sein, haben aber gleichzeitig kaum Bestreben nach Macht. Es ist eher in Drang in ihnen, die Stimmung und den Verlauf der Gruppe zu beeinflussen.

Zeremonienmeister haben tief in sich oft ein gewaltiges Repertoire an Ideen, wofür und wie Zeremonien ablaufen könnten. Sie haben ein intuitiv angelegtes Geschick dafür, magische Momente zu erschaffen. Eine Zeremonienmeisterin, die sich noch nicht erkannt hat, erkennt man daran, dass sie oftmals mit ihren Worten Momente zu etwas besonderem machen, dass sie beim Leiten von Meetings und Treffen regelrecht aufblühen, dass sie gut führen oder moderieren können, ohne zu sehr nach der Aufmerksamkeit zu gieren und dass sie regelmäßig aus völlig normalen Momenten etwas gestalten, was sich wie eine kleine Zeremonie anfühlt.

Wenn man sich trennt, verlobt, umzieht, einen runden Geburtstag hat, kündigt oder eine andere größere Veränderung im Leben durchmacht, sind Zeremonienmeister fantastische Freunde. Veränderungen gehen oft so schleichend vor sich hin und ziehen sich innerlich meist viel zu lange, aber Zeremonienmeister haben die Macht, das zu ändern.

Wenn man dem Ex-Partner normalerweise ein Jahr lang nachtrauern würde, schaffen es Zeremonienmeister intuitiv, einen Abend so zu gestalten, dass es sich wie ein ritueller Übergang anfühlt. Die besten Trinkspiele stammen von Zeremonienmeistern.

Eine Zeremonienmeisterin, die sich erkannt hat, sieht plötzlich, wie sehr sie auf dieser Welt gebraucht wird.
Woher weiß ein Junge, wann er ein Mann ist? Woher weiß ein Mädchen, dass sie eine Frau ist? Wie machen wir uns selbst klar, dass wir jetzt erwachsen und selbstständig sind? Wer lässt uns spüren, dass wir Helden sind? Wie schaffen wir es, aus einer Trennung einen klaren und bewussten Prozess zu machen? Wie können wir den Aufstieg in einen neuen Lebensabschnitt klar in uns ankommen lassen? Wie können wir Streit richtig austragen und danach beilegen? Wie können wir für eine Beziehung ein bindendes Ritual machen, ohne Kirche und Standesamt? Wie wird aus einem Team eine eingeschworene Mannschaft?

Der Mensch hat ein tiefes Verlangen nach Zeremonien und Ritualen. Leider ist das Angebot an diesen von wenigen Institiutionen über lange Zeit monopolisiert worden. Wir sind jetzt in einem Zeitalter der neuen Zeremonien, in der wir bereit sind, ein neues und eigenes Set an Ritualen und Zeremonien in unser Leben zu integrieren. Das gibt uns so viel Kraft, Klarheit, Selbstbewusstsein und Macht zurück und hilft uns, unser Leben viel klarer in Abschnitten wahr zu nehmen und altes loszulassen.

Ein Zeremonienmeister hat also unendlich viel Arbeit zu tun, er muss nur vorher etwas Aufklärungsarbeit darüber leisten, welche Bedeutung Zeremonien für Menschen haben.

Man findet Zeremonienmeisterinnen heute oft in der Rolle von freien Trauungen, als Djane, Teambuilding-Workshopleiter, Wedding Planner, Schamane, Regisseur, Tripsitter und Männercoach.

In diesen Kontexten können diese Menschen ihr volles Potential entfalten und unvergessliche Momente schaffen.

Wenn man einen unerkannten Zeremonienmeister als Taxifahrer, Wanderführer oder als Assistent im Kletterwald erwischt, kann eine einfache Tätigkeit oft zu einem unvergesslichen Erlebnis werden.

Die drei größten Herausforderungen dieser Menschen sind folgende:

Erstens muss er seine in sich liegende Weisheit erkennen. Er hat ein sehr starkes Gefühl für kraftvolle Zeremonien und Momente. Aber das, was er spürt, beißt sich oft mit bestehenden Konventionen. Er würde Hochzeiten ganz anders gestalten und aus viel mehr Momenten gern ein Ritual machen, stößt dabei aber auf sehr viel gesellschaftlichen Widerstand. Wenn er aber den Raum hat, seine Impulse von innen frei zu Zeremonien werden zu lassen, ist er ein unvergleichliches Geschenk für alle Beteiligten.

Zweitens braucht er die Einladung anderer, um Momente zu führen. Er ist kein Mensch, der sich in den Mittelpunkt drängt und dann eine Zeremonie macht. Er braucht eine Einladung, um seine volle Kraft zu entfalten. Ohne Einladung kostet es ihn zu viel Energie, die Führung und Aufmerksamkeit zu erhalten, als dass er sein kreatives Potential voll leben könnte. Er braucht also eine Rolle und einen Kontext, in dem er eingeladen wird. Dafür zu sorgen, dass das regelmäßig und bezahlt passiert, ist eine Herausforderung.

Drittens müssen die meisten Zeremonien noch erfunden und gesellschaftlich etabliert werden. Es bräuchte sooo viele Zeremonien, aber die Menschen haben keine Idee davon. Es braucht also ZeremonienmeisterInnen, die in Führung gehen, Zeremonien entwickeln und dieses Thema in der Wahrnehmung der Gesellschaft verbreiten.