Die Archetypen der Gegenwart

Das Orakel

Orakel ArchetypDas Orakel ist ein sehr spezieller Archetyp.
Das Orakel ist völlig normal.
Das Orakel ist völlig verrückt und abgehoben.

Das Orakel ist ein völlig normaler Mensch, dem sich das Leben ganz normal erschließt. Manchmal wundert sich das Orakel, dass sich anderen Menschen das Leben nicht ganz so normal zu erschließen scheint. Sehr verwirrend.

Das Orakel kommt gut klar. Es macht so sein Ding. Manchmal fühlen sich Dinge komisch an, aber auch damit kommt es klar.

Naja.

Bis zu den Punkt an dem das Leben liebevoll anklopft und sagt: „Duuuu… wir müssen mal reden. Ich muss dir was sagen. Aaaalso Liebes: Du bist schon ganz normal und so. Aber irgendwie, ja irgendwie auch nicht. Also schon in dem Sinne, dass du normal bist. Aber nicht ganz so in dem Sinne, dass die anderen halt nicht so normal sind.“

„Häää?“ fragt sich das Orakel dann. „Was soll das verwirrende Gelaber? Mach doch mal Klartext, liebes Universum!“

„Ok“ sagt das Leben ganz vorsichtig. „Also, du hast da diese Gabe. Du siehst und du spürst da Sachen, die nicht alle sehen und spüren. Was sich dir als völlig normales Leben erschließt, dass sehen andere nicht. Was du in Menschen automatisch erkennst ist für andere so was wie eine Offenbarung.“

„Echt jetzt?“ fragt das Orakel und kratzt sich verwirrt am Kopf. Das macht keinen Sinn und irgendwie doch.

 

Die groooße Herausforderung des Orakels ist nun folgende:

1. Erst mal richtig zu erkennen, was es da eigentlich kann, sieht und spürt – und vor allem wie sich das von der Wahrnehmung der anderen unterscheidet

2. Den eigenen Fähigkeiten und Möglichkeiten tiefer auf den Grund zu gehen. Das ist ungefähr so, als würde man einen Fisch bitten, das Wasser zu beschreiben.

3. Einen guten Anwendungsbereich für die eigenen Fähigkeiten finden. Sich voll aufs Orakeln einzulassen braucht schon Energie und Klarheit, da kann man nicht so viel lästiges Nebenrauschen gebrauchen.

4. Der Welt mitteilen, was in einem Abgeht, ohne sich dabei komisch zu fühlen oder eingewiesen zu werden.

5. Auf dem Boden bleiben. D
as ungeklärte Orakel kommt gerne zu dem Schluss, dass es die Krone der Schöpfung wäre. Abgehobene Orakel können ihren Followern zu geilen Prozessen und Erkenntnissen verhelfen, aber es bildet sich schnell eine Art Rattenschwanz, ein Preis, eine Sekte oder solches Zeug außenrum. Die Mischung aus Bescheidenheit und gesundem Größenwahn zu finden, dass ist die durchaus harte Challenge des Orakels.

6. Das Mensch-Sein nicht vergessen 
Orakel neigen dazu zu glauben, dass sie in der Blüte ihrer Fähigkeiten keine Menschen mehr wären. Uff, das ist UNGESUND. Orakel dürfen nicht vergessen, dass sie genauso gerne ficken, kacken und saufen wie alle anderen und sich das bitte nicht aus irgendwelchen seltsamen Glaubenssätzen raus verbieten. 
Das Orakel aus Matrix 1 ist dafür ein gelungenes Abbild.

Bei Orakeln gilt mehr als bei jedem anderen, dass regelmäßige Bierabende der geistigen Gesundheit sehr zuträglich sind.

Letzten Endes ist das Orakel einfach ein ganz normaler Mensch, der halt durch mehr oder weniger Zufall Skills hat, die für andere Überkrass erscheinen. Viele Orakel erkennen niemals, dass sie welche sind und das macht auch nix. Dafür gibt es auch genug, die sich einfach so für Orakel halten.

Die Aufgabe der Orakel als kollektiv ist es, Wege zu finden, gesund damit umzugehen.

Viel Spaß dabei 🙂