Die Archetypen der Gegenwart

Der Meister

Meister ArchetypDer Meister lässt sich in einem Wort beschreiben: Obsession

Der Meister lebt, atmet und beherrscht sein Thema. Der Meister IST sein Thema. Sein ganzes Leben dreht sich um sein Thema, seine Profession, seine Perfektion.

Sein Tag ist dann ein Erfolg, wenn er besser in dem geworden ist, was er liebt. Lernen und Lehren sind für ihn wie Luft und Nahrung.

Meistens ist der Meister jemand, der zu Beginn seiner Reise weit unterdurchschnittlich in seinem Thema war. Der daraus entstandene Schmerz dient ihm dann für Jahre als Motivation und Sprit für seine Lehren, so lange bis die Obsession und Leidenschaft diese Aufgabe übernehmen.

Seine große Herausforderung ist es, seine eigene Fähigkeiten anzuerkennen. Der Meister beherrscht seine Materie so gut, dass er weiß, dass er nichts weiß. Er sieht, dass er sich an allen Enden verbessern muss und wer wäre er, wenn er diese Herausforderung nicht annähme?

Er spürt instinktiv, dass in seiner Meisterschaft auch ein Lehrauftrag liegt – Aber oftmals ist er so damit beschäftigt, besser zu werden, dass er diesen innerlich ablehnt. Er erzählt sich Geschichten wie „Ich lehre erst, wenn ich die wahre Meisterschaft erreicht habe“ – und so mancher Meister baut sich daraus ein Hamsterrad.

Die nächste Herausforderung des Meisters ist es, den Wert seiner Profession zu erkennen. Ein Meister kann nicht anders, als seine Meisterschaft auszuweiten und manchmal denkt er sich, dass er eigentlich eine andere Profession lernen müsste, um wirklich wertvoll zu sein. Oftmals hat ein Meister das Gefühl, dass alle anderen bereits etwas verstanden hätten, dass sich ihm noch nicht erschließt.

Ein Meister erkennt sich erst durch den Schüler in seiner vollen Kraft. Ein gelehriger Schüler, der die Qualität seines Meisters instinktiv spürt und ihm mit offenem Geist begegnet, kann wahre Wunder aus dem Geist des Meisters holen. Es ist keine Seltenheit, dass ein Schüler einen Meister ohne es zu wissen erweckt.

Wenn ein Meister seine Meisterschaft richtig erkannt und anerkannt hat, wenn er die Plätze in der Welt gefunden hat, in der seine Meisterschaft massiv gebraucht wird…

Dann passiert eine Kernfusion und der Meister steigt auf. Daraus entstehen dann die Leben, die Stoff für Legenden sind.

Die Berufung des Meisters ist das Lehren. Gelehrige Schüler sind für den Meister wie Steroide. Meister ohne Schüler können durchaus eigenbrödlerisch wirken.

Der Meister darf sich erkennen und sich für seine Schüler öffnen. Er darf seine Qualität wahrnehmen und diese der Welt zur Verfügung stellen. Außerdem darf er seine Angst davor, mit der Rolle des Meisters nicht umgehen zu können ablegen und sich dieser Herausforderung stellen.

Ein Meister der sich als Meister erkennt, ist ein Geschenk für die Welt und für alle gelehrigen Schüler.