Im zweiten Teil der Kolumne “Marketing-Philosophie” gehe ich auf eine Frage ein, die nach Teil 1 aufgekommen ist.

„Mark, wie schätzt du die Zukunft des Coachingmarktes ein?“ wurde ich nach meinem Beitrag gestern mehrmals gefragt.

Also habe ich meine Glaskugel ausgepackt und will euch sagen, was ich denke:

3 Dinge glaube ich werden passieren oder passieren gerade schon.

Nummer 1: Monopolisierung

Kapitalismus führt langfristig immer zu Monopolisierung. Durch das Internet-Zeitalter ist die Geschwindigkeit davon ganz immens gewachsen. Ist eine Szene groß genug, entstehen automatisch größere „Player“ die in ihrem Bereich ein starkes Monopol aufbauen.

Wenn wir uns andere Märkte anschauen gibt es in einem voll entwickelten Markt Plätze für 4 Sorten von Unternehmen:

Den Marktführer
Den Zweiten
Den Rebellen
Die vielen Nischenspezies

Um mal Getränke als Beispiel zu nehmen: Coca Cola, Pepsi Cola, Bionade, Almdudler.
Die großen Marktanteile gehen an die ersten zwei, der Rebell kann sich gegen den Mainstream positionieren und in unzähligen Nischen gibt es Platz für kleinere Player.

Was heißt das für den Coachingmarkt? Es wird in jedem größeren Bereich starke Marktführer geben, die es ja teilweise jetzt schon gibt. Daneben wird sich eine Nummer zwei etablieren, die auch noch viel Erfolg hat.
Alle weiteren, die das selbe machen wie die ersten zwei, müssen sich durch eine kluge Positionierung abheben.

Nehmen wir nur mal Heilpraktikerausbildungen als Beispiel. Da haben sich große Player wie die Paracelsus-Schulen und Ther-Medius mächtig im Markt etabliert und haben durch ihre Größe auch viel Marktmacht.
Eine kleine Ausbilderin im bayerischen Dorf darf sich entweder rebellisch positionieren „Menschlicher als die großen Institute“ „Hier lernst du das, was die großen Firmen nicht wissen“ oder sich eine Nische suchen. „Heilpraktiker mit dem Fokus Energieheilung“ etc.

Wer einfach nur das selbe macht wie die großen, wird am Markt einen schweren Stand haben.

Nummer 2: Die Fähigkeiten und Glaubenssätze weiten sich auf andere Branchen aus

Da ist dieser Coach und er scheitert daran, in seinem Coaching-Business Erfolg zu haben. Auf den ersten Blick sehr schade für ihn – aber die Wege des Lebens sind oft anders, als unser Ego sie haben will.

Ein Jahr später trifft er den Direktor einer Schule, die sehr aufgeschlossen ist und durch gutes Bier und gute Gespräche entsteht eine neue Stelle: Er wird Berufungsfinder für Schüler an dieser Schule.

Okay, dieses Beispiel ist frei erfunden, aber es zeigt ein Prinzip. Die Skills die wir in unseren Markt aufbauen, werden sich in den nächsten Jahren dank aller „gescheiterten Coaches“ in ganz andere Szenen ausbreiten. Dadurch entstehen spannende neue Berufsbilder, die vorher noch gar nicht denkbar waren.

Vielleicht hat bald jede Marketingagentur einen Hauseigenen Schamanen und jeder Hausmeisterservice eine freiberufliche Reiki-Meisterin? Vielleicht beschäftigen Krankenhäuser in Zukunft Coaches und in Rettungswagen fahren Hypnotiseure mit?

Dieser Trend ist auch ein Aufruf an geschickte Unternehmer, die eine Herausforderung suchen. Es braucht neue Berufsbilder für die vielen Menschen mit fantastischen Fähigkeiten, die ihren Platz noch nicht gefunden haben. Vielleicht gründet ja jemand eine Agentur für Energetiker im Business oder so.

Nummer 3: Faken wird schwieriger – Der Markt normalisiert sich

Stell dir mal vor, jemand will dir eine neue Zahnbürste verkaufen. Er sagt: Mit dieser Zahnbürste für 5.000€ wirst du in 7 Tagen all deinen Zahnstein los, hast nie mehr Plaque und musst nie mehr zum Zahnarzt.

Wie würdest du reagieren?

Genau. Wir haben heute alle ein bisschen Grundbildung zu diesem Thema und können daher einschätzen, dass diese Versprechung Mumpitz ist. Außerdem können wir das Produkt googeln und werden recht bald viele Bewertungen finden.

Genau das wird im Coachingmarkt auch passieren. Die letzten Jahre wurde extrem viel Müll für viel Geld verkauft, weil die Leute noch keine Ahnung vom Thema hatten. Zu viele Leute schweigen aus Scham noch über ihre Erfahrungen, aber die Zahl der Erfahrungsberichte steigt mit jedem Tag.

Insofern wird es erstens immer leichter, gute Anbieter von Blendern zu unterscheiden und zweitens bekommen wir durch Bildung ein Gefühl dafür, was Dinge wirklich wert sind.

Es wird immer hoch bezahlte Marken geben, daran ist auch nichts schlechtes (Ich bin ja auch eine, haha) aber der Aufwand, um so eine zu werden, wird höher.

Oder ums auf gut Deutsch zu sagen: Wer geil verdienen will, muss auch was dafür leisten.

Und als Bonus fürs treue lesen hier noch eine Nummer 4:

Wir haben keine Ahnung. Meine Kristallkugel ist wirklich unzuverlässig.

Vielleicht wird in 3 Jahren das Bedienungslose Grundeinkommen endlich eingeführt und die AI-Revolution beschleunigt ihren Schritt. Plötzlich brauchen wir nicht mehr zu arbeiten und neue, junge Politiker erklären Bewusstseinsentwicklung und Nachhaltigkeit zum großen Ziel unserer Weltgemeinschaft.

Kann ja sein.

Dann würde unsere Profession als Coach plötzlich eine ganz neue Bedeutung annehmen, die wir uns heute aus unserer Leistungsgesellschafts-Mentalität noch gar nicht vorstellen können. Wer weiß.

Ich bin jedenfalls sehr zuversichtlich. Unsere Szene leistet vor allem langfristig einen wirklich wertvollen Beitrag fürs Kollektiv und darauf können wir stolz sein.