Die Archetypen der Gegenwart

Die Magierin / Der Magier

Magier Magierin ArchetypDas mächtigste Werkzeug des Magiers ist sein Verstand.

Magier sind von ihrem Wesen her Gelehrte. Ihre Leidenschaft – und vielleicht auch ihr Zwang ist es, alle Dinge geistig oder physisch in ihre Einzelteile zu zerlegen und wieder zusammenzufügen.

Magier wollen allem voran verstehen. Verstehen wie die Welt funktioniert. Verstehen wie die Menschen funktionieren. Verstehen wie Probleme funktionieren.

Es gibt im Kern zwei Arten von Magiern. Menschen-Magier und Technik-Magier.

Als Kinder fühlen sich Magier davon gestresst, Dinge nicht zu verstehen. Warum nur sind Menschen, wie sie sind? Wie funktioniert diese Uhr oder dieser Computer? Warum ist dieser Junge in einer Gruppe so anders, als wenn ich ihn allein treffe?

Wenn ein Magier etwas nicht versteht, dann triggert ihn das. Dann nagt eine unstillbare Neugier an seinem Verstand, die ihn nur schwer ruhen lässt. Er hat die Eigenheit, Unmengen an Wissen wie eine Hydra zu verspeisen – und für jeden gesättigten Kopf, wachsen zwei neue hinzu.

Magierinnen zerlegen alles in seine Einzelteile. Sie beobachten Menschen und Gruppen so lange, bis sie im Voraus berechnen können, wie diese sich vermutlich verhalten werden. Sie schauen sich einen Programmcode so lange an, bis sie ihn verstehen und auch umschreiben können.

Für außenstehende wirken Magier manchmal wie Autisten. Wenn ein Magier anderen aufzeigt, was in seinem Kopf vorgeht und mit welchen Systemen und Mustern er arbeitet, sind diese oftmals heillos verwirrt. Magier lieben Mustererkennung. Sie suchen Muster und vorhersagbare Variablen in allem, was sie interessiert.
Sie können sich über beliebige Zeiträume in Fortbildungen, Büchern und Kursen verlieren, bis sie ein Thema wirklich gemeistert haben.

Einen Magier erreicht man über sein Wissen. Wenn man ihn zu einem Thema um seine Meinung fragt, gewinnt man seine Sympathie und erhält oft erstaunliche und präzise Perspektiven auf ein Problem.

 

Folgende Herausforderungen hat der Magier:

Magier sind oftmals sehr verkopft. Ihre Strukturen, Systeme und Muster sind von erstaunlicher Präzision, aber völlig irrationale Prozesse wie Gefühle machen ihnen zu schaffen. Um das Feld der Gefühle zu meistern, muss der Magier sein gewohntes mentales Terrain verlassen und sich auf eine unpräzise, wandelbare und nur sehr schwer erklärbare Ebene begeben. Er muss lernen es auszuhalten, dass sich Gefühle über lange Zeit seinem Verständnis entziehen. Wenn er aber lang genug in seiner Forschung stehen bleibt und tief genug in die menschliche Psyche vordringt, kann er auch die Muster im Feld der Gefühle erkennen. Für Menschen-Magier ist die Beschäftigung mit der Tiefenpsychologie und NLP oft ein einziges, großes Aha-Erlebnis.

Technische Magierinnen verlieren sich gern in ihren Forschungen und Arbeiten und übersehen dabei gerne Themen wie ihre Gesundheit, Beziehungen und manchmal auch Hygiene. Diese Themen scheinen ihr nervig, störend und ablenkend und sie muss die Disziplin entwickeln, diese nicht aus den Augen zu verlieren.

Menschliche Magier entwickeln schnell ein tieferes Verständnis der menschlichen Psyche, als die meisten anderen Menschen es haben. Das macht sie zu perfekten Manipulatoren. Ihre größte Herausforderung ist es, nicht zu manipulierenden Maschinen zu werden, die jeden Respekt vor anderen Menschen verlieren und sich nur noch daran aufgeilen, andere zu beeinflussen. Magier in dieser Phase leiden meistens unter maßloser Selbstüberschätzung und unterschätzen, wie klar geklärte Menschen ihre Spiele von außen durchschauen. Um in ein Leben der erfüllten Beziehungen zu kommen, muss der Magier diese Phase irgendwann verlassen, sonst wird sein Umfeld bald nur noch aus verwirrten Persönlichkeiten, Narzisten und Co-Abhängigkeit bestehen.

Als Kinder sind Magier oft „komisch“. Sie verarbeiten die Welt anders, verstehen die meisten Dinge und vor allem Menschen nicht und landen daher gerne in Rollen, die nicht richtig in die üblichen Schul-Hierarchien passen. Viele junge Magier neigen auch dazu, sich suchtartig in Welten zurück zu ziehen, die sie besser begreifen können, wie beispielsweise Computerspiele. Es bewährt sich, in dieser Phase nicht unnötig an den Kindern herumzuzerren. Sie brauchen die Zeit und den Raum, die Welt um sich herum in Ruhe in Muster zu packen und zu verstehen. Das kann viele Jahre dauern und daran ist nichts schlechtes.

Das große Geschenk der Magierinnen an die Welt ist die Technologie. Es sind Magierinnen, die Technologien entwickeln, die für alle anderen treffenderweise wie Magie wirken. Menschliche Magier haben die Fähigkeit, menschliches Verhalten in einer besonderen Tiefe zu erfassen und in greifbare und verständliche Muster zu bringen. Wenn sie lange genug beobachtet haben, sind Magier in der Lage, Persönlichkeiten in einer Klarheit und Tiefe zu beschreiben, die den beschriebenen oft überrascht und schockiert. Einen Magier Zugang zu deiner Psyche zu gewähren, kann dir wunderbar helfen dich selbst zu verstehen.

Der größte Fehler eines Magiers ist der Versuch, kein Magier zu sein. Die Idee, sich anzupassen und zu sein, wie alle anderen, macht aus einem Nashorn einen schlechten Affen. Wenn er seine Natur einfach frei auslebt und sich den Raum dafür nimmt, entwickelt er sich oft zu einem Genie und damit zu einem großen Geschenk für die Welt.