Die Archetypen der Gegenwart

Die Lehrerin / Der Lehrer

Lehrerin Lehrer ArchetypAus jeder Zelle deines Körpers strömt ein Gefühl: Ich will lehren.

Du verstehst schnell. Du hast eine sehr gute Auffassungsgabe. Du weißt (insgeheim), dass du schlau bist und viel verstanden hast. Und jetzt drängt alles in dir, dein Wissen zu teilen!

Du fühlst dich bei Schülern zu Hause. Wenn du Menschen um dich herum hast, die dir zuhören und von dir lernen wollen, dann kommt deine beste Seite heraus.

Du bist im Alltag erschöpft? Sobald ein Schüler bei dir ist, strömen ungeahnte Energien durch dich hindurch.
Du bist ein Lehrer/eine Lehrerin. Aus deinem inneren drängt ein beständiger Lehrauftrag. Wenn du Menschen siehst die lehren, dann kannst du nicht anders, als diese zu kritisieren. Du findest jede Menge Fehler. Das würdest du anders machen. Das hat er aber übersehen. Da ist sie aber nicht korrekt.

Dieser mentale Bullshit ist im Kern nur eines: Es ist der verzerrte Ausdruck deines Bedürfnisses, auf dem Platz des Lehrers zu stehen.

Lehrer sind tolle Geschenke für lernbereite Schüler. Allerdings ist der Drang zu Lehren im Lehrer so stark, dass er auch ohne Schüler seinen Ausdruck sucht.

Lehrer, die sich nicht erkannt haben, sind nervige Besserwisser, die ihren Mund nicht halten können. Lehrer die ihren Ruf nicht leben, können anderen mit ihrem Drang zu lehren unendlich auf die Nerven gehen. Stell diesen Menschen vor eine Gruppe Lernbereiter – und aus dem Fluch wird ein riesiges Geschenk.

Die Herausforderungen der Lehrerin sind folgende:

Sie muss sich erkennen. Da ist dieser Drang, ständig zu reden und immer Wissen zu teilen. Und der Drang ist ja gut gemeint, aber stößt die ganze Zeit auf Ablehnung. Deswegen verurteilt sich die Lehrerin gerne mal für ihr Wesen. „Jetzt Chill doch mal“, „Lass ihn doch seine eigenen Fehler machen“, „Lass doch mal los und den Dingen ihren Lauf“ sind Aussagen, die unerkannte Lehrer öfter mal zu hören bekommen.

Viele Lehrernaturen verurteilen sich für ihre Art und versuchen, sich zu zensieren. Diese ungelebte Energie richtet sich aber dann gegen sie und wird früher oder später in noch unangenehmeren Charaktereigenschaften ihren Ausdruck finden.

Er muss sich Anerkennen. Der Lehrer spürt, dass er andere belehren will. Wenn er sich aber nicht anerkennt wird er sich fragen: „Wer bin ich, dass ich andere belehren soll? Was weiß und kann ich schon?“. So lange der Lehrer sich für sein Wissen und seine Fähigkeiten nicht anerkennt, wird er gegen sich arbeiten.

Sie muss sich zu erkennen geben. Schüler finden die Lehrerin nur, wenn sie sich als diese sichtbar macht.
Er muss lernen, mit seinen Extremen umzugehen. Es gibt zwei Extreme bei den Lehrer: Das eine extrem ist: Er liest ein Buch über ein Thema und hat sofort das Gefühl, das Thema in aller Tiefe gemeistert zu haben und es nun lehren zu wollen.

Das andere Extrem ist der perfektionistische Lehrer. Egal wie viel er weiß, es ist nie genug, um den Drang des Lehrens frei zu lassen und andere damit zu belasten. Oh Gott, was wenn ich eine nicht vollständig richtige Information schule? Das würde der perfektionistische Lehrer sich nie verzeihen.

Die Lösung dieses Dilemmas ist es, die eigene Natur anzuerkennen. Lehrernaturen lernen durch das Lehren. Sie gewinnen die größten Erkenntnisse, während sie über ihre Themen reden und andere belehren. Das zu verstehen und anzuerkennen ist eine Erlösung für die Lehrerin. Der Schlüssel dazu ist Offenheit. Der Satz „Ich bin in diesem Thema nicht perfekt, aber ich kann dich alles lehren, was ich weiß“ ist so etwas wie das erlösende Mantra jeder Lehrerin.

Ein Lehrer braucht Schüler. Ein Lehrer ohne Schüler ist in der Regel unausgeglichen und muss fast zwingend andere Leute belehren.

Manche Lehrer haben einen subtilen Kontrollwahn. Sie wollen das beste für alle und wollen vermeiden, dass Dinge schief gehen. „Wenn ich die Menschen gut genug belehre, dann läuft es gleich perfekt“, sagen sie sich. Der Lehrer muss lernen loszulassen und anerkennen, dass jeder Schüler seine eigenen Erfahrungen und Fehler machen muss, um seine Meisterschaft zu erlangen. Wenn unverwirklichte Lehrernaturen Kinder haben, werden sie oft zu Helikoptereltern, die ihre Kinder vor Fehlern schützen und am liebsten alles für sie machen wollen.

Auf Business-Ebene muss die Lehrerin auch das loslassen lernen. Folgende Angst steht dem Erfolg der Lehrerin im Weg: „Ich kann kein Geld verlangen, wenn die Lehrerfolge meiner Schüler nicht perfekt sind. Wenn ich den Lernerfolg meiner Schüler nicht garantieren kann, wie soll ich dann etwas verkaufen?“. Da muss der Lehrer einfach lernen, eine Balance aus Verantwortung und Loslassen zu lernen.

Jeder Schüler braucht seine eigenen Erfahrungen, steht an seinem eigenen Punkt und braucht seine eigene Zeit. Lieber Lehrer, du kannst die Menschen unterstützen, aber nicht den Weg für sie gehen – egal wie gern du das auch tun würdest. Tu dein bestes, entwickle das beste dir mögliche System und erlaube dir aber auch, unperfekte Ergebnisse abzuliefern.

Noch eine Business-Herausforderung des Lehrers ist: Er ist im Kern ein Künstler. Ein Lehrkünstler. Und wie die meisten Künstler ist er einfach glücklich, wenn er lehren kann und seine Schüler bei ihrem Erfolg beobachten darf. Dabei vergisst er gerne mal, dass er auch Unternehmer ist. Diese Balance zu lernen, ist eine essentielle Lektionen der Lehrernatur.

So wie eine Priesterin fast zwingend einen Tempel braucht, so braucht ein Lehrer seine Schüler. In diesen findet er seine Erfüllung und entdeckt sein wahres Potential. Außerdem kann er an ihnen seine starke Lehrerenergie ausleben und muss dafür nicht sein privates Umfeld benutzen.

Eine Sache noch: Für manche Lehrer ist die Position des Lernenden eine Herausforderung. Sie spüren einen Widerstand dagegen, in die Rolle des Schülers zu gehen. Ganz subtil ist da ein „In Wahrheit weiß ich es besser.“.
Dieser Gedanke ist die größtmögliche Erfolgsbremse der Lehrerin. Wenn sie diese Hindernisse überwunden hat….