Die Archetypen der Gegenwart

Die Heilerin / Der Heiler

Heiler Heilerin ArchetypDer Heiler fühlt. Das Fühlen ist der Fluch des Heilers. Das Fühlen ist die Gabe des Heilers.

Von klein auf spüren Heiler sich automatisch in andere Wesen hinein. So automatisch, dass es für sie einfach normal ist. So automatisch, dass viele erst ganz spät lernen zu unterscheiden, was wirklich sie und was andere sind.

Heiler sind von Natur aus sehr empfindsam und emphatisch. In einer Leistungsgesellschaft haben sie Eigenschaften, die Gleichbedeutend sind mit Weichei, Softie und nicht belastbar.

Ein Heiler ist in den meisten Arbeitsbereichen von Natur aus kaum gebrauchbar. Er tut sich oft schwer mit körperlicher Arbeit, Strukturen, festen Abläufen und eigentlich allem, was nichts mit Menschen zu tun hat. Der Heiler ist der am Bau, der die ganze Zeit reden will, obwohl es eigentlich Zeit zum anpacken wäre.

An anderer Stelle ist der Heiler die Putzfrau, bei der völlig egal ist, wie viel sie putzt oder nicht. Es ist diese „Mama“, die in jede Abteilung, die sie betritt, so eine wunderbare Energie bringt. Die, der alle heimlich ihre Sorgen und Nöte erzählen. Die unterbezahlte Kraft, ohne die ganz viele Leute innerlich kollabieren würden.
Heiler wechseln ständig von einem Feld ins nächste. In großen Menschenmengen sind sie oft heillos überfordert und wissen nicht warum.

Ein Heiler der nichts von seinem Glück weiß, hat einen schweren Stand. Er oder sie wird sich beständig selbst für seine Weichheit und Sensibilität verurteilen, gerade als Mann. Er wird sich fragen, warum er nicht normal sein kann, wie alle anderen. Sie wird an ihrer geistigen Gesundheit zweifeln, weil sie sich mit jedem Menschen anders fühlt – sie weiß ja nicht, dass sie den andern fühlt.

Gerade Männer haben als Heiler einen harten Stand. Sie versuchen hart und handfest zu sein, obwohl alles in ihnen rebelliert. Sie versuchen ihre sanfte, spürende Art zu unterdrücken, weil sie dafür keinen anerkannten Platz kennen.

Heiler neigen oft zu Depressionen und vergleichbaren Diagnosen. Sich nicht zu verstehen und die ganze Zeit verrückten Scheiß zu fühlen, ohne etwas positives darin erkennen zu können, kann einfach sehr hart sein.
Heiler sind von Grund auf gut „connected“ und haben unterschiedliche Kanäle, auf denen sie begabt sind. Die einen haben „magische Hände“, die anderen wählen intuitiv heilende Worte, wieder andere sind außergewöhnliche Zuhörer und nochmal andere arbeiten eher aktiv und mit gezielter, energetischer Beeinflussung. Alles hat seine Qualität.

Heiler erkennen sich oft, ohne sich zu erkennen. Sie merken, dass ihre Berührung anderen gut tut. Sie bekommen mit, dass ihre Anwesenheit für andere irgendwie hilfreich ist. Andererseits ist das auch furchtbar, weil Heiler oft in der Friendzone landen und sich unbewusst als Mülleimer für alle Arten von Sorgen zur Verfügung stellen.

Für den Heiler ist die Selbsterkenntnis sowas wie eine Erlösung. Endlich macht der ganze Shit Sinn! Endlich kapier ich, warum ich bin, wie ich bin. Endlich kann ich mich für mein Sein wertschätzen, anstatt mich dauernd zu fühlen wie ein weicher Idiot.

Der Heiler hat von Grund auf das Bedürfnis zu helfen. Er fühlt Befriedigung, wenn er gutes tun kann. Er hat oft einen Blick für Probleme und Lösungen. Zwischenmenschliche Konflikte von anderen durchschaut er klar. Seine eigenen eher nicht so…

Die großen Challenges der Heiler sind folgende:

Bevor sie sich erkannt haben, werden sie sich furchtbar falsch und fehl am Platz fühlen.
Ihr Bedürfnis zu helfen macht sie zum Idealen Opfer für alles.
Ihr Wunsch danach nützlich zu sein und ihr fehlender Selbstbezug, bringt sie oft in die Außenseiter- und Looser-Rolle.

Viele Heiler können sich auch nicht aus den Angelegenheiten anderer raushalten.

Ein untrainierter Heiler spürt oft alles, außer sich selbst.

Heiler fühlen sich überdurchschnittlich wohl in Opferrollen, da sie das Vergnügen ihrer Täter unbewusst genießen. Dieses Spiel lässt sich am besten durch bewusstes SM aufdecken und auflösen.

Heiler dürfen Qualität wie Egoismus, Pragmatismus und Umsetzungskraft lernen. Die Versuchung ist gerade für Heiler, die sich erkannt haben sehr groß, sich völlig in den energetischen Welten zu verlieren.

Heiler neigen sich dazu aus Begriffen wie Hochsensibilität und Empath neue Opferrollen zu bauen und neigen oft zu passiver-Aggression und subtilen Machtspielchen.

Alles in allem sind Heiler im Kern wundervolle Menschen, deren Lebenskonzepte einfach noch nicht ausgereift sind. Es gibt nur wenige gute „Anleitungen“, um als Heiler seine Qualität zu erkennen, zu schulen, ein gutes Leben damit zu führen und sich nicht im Opferdasein, im Leid oder in sonstigen Spielchen zu verlieren.

Ein Heiler, der sich erkannt hat und all diese Herausforderungen meistert, ist ein unglaublicher Segen für die Menschen um ihn herum. Gleichzeitig haben kraftvolle Heiler auch oft krasse „Schattenseiten“ wie Narzismus und Egozentrik. Diese will ich hier aber nicht verurteilen, sondern Wertschätzen – weil die Heiler dadurch einen Weg gefunden haben, gutes zu tun und gut mit sich zurecht zu kommen. Wer nicht manchmal ein Arsch ist, der werfe den ersten Stein.

Für die meisten Heiler wäre es der Paradieszustand, für ein Unternehmen zu arbeiten, für das sie heilen können, das sämtliche Struktur und Organisation übernimmt und ihnen genug persönlichen Freiraum überlässt, um sich nicht eingeschränkt zu fühlen. Diese Unternehmen müssen nur erst noch entstehen. Eine wichtige Lektion für Heiler ist es auch, ihre Fähigkeiten zu einem greifbaren Ergebnis zu bündeln und zu kommunizieren. Aber das ist wieder ein anderes Thema.